25 Jahre BIAB e. v.
21.Mai 1990 – 21. Mai 2015


Schon 1989  wurden von Rethwischern Bürgern 20 Unterschriften gegen die Betriebsgenehmigung einer Erdentsorgungsanlage und einer mit PCB verseuchten Altölverbrennungsanlage bei Alsen Breitenburg - heute die Holcim AG Lägerdorf - für den Ofen 10 gesammelt, denn Frau Kath und Herr Lüdke machten sich große Sorgen um die Region, die Gesundheit der Bürger und um ihre Immobilien.  Am 21.05.1990 gründeten
Herr Wolfgang Lüdke, Herr Bernd Papenfuß,  Frau Martina Papenfuß und Frau Rosemarie Kath die BIAB e. V. Ihr Ziel: Die Verhinderung gesundheitsgefährdender Abfallbeseitigung. Zwölf Mitglieder traten ein. Für die fachliche Beratung standen Herr Dr. Lohse von Ökopol Hamburg und Rechtsanwalt Herr Matthias Uhing an der Seite der BIAB.
Obwohl dem Vorstand immer wieder Steine in den Weg gelegt wurden und sogar Morddrohungen ausgesprochen wurden, lässt der Vorstand nicht locker und klärt die Öffentlichkeit darüber auf, welche Gefahren die Schwerölverbrennung birgt, denn man befürchtet, dass das als Seveso-Gift bekannt gewordene Dioxin auch hier die Umwelt belasten könnte. Es wurde beim Gewerbeaufsichtsamt in Itzehoe Widerspruch gegen die Genehmigung eingelegt.

Und schon 1993 dann der erste große Erfolg: das hochviskose gesundheitsgefährdende Schweröl wird in der Zementfabrik Lägerdorf nicht mehr  eingesetzt.

1994 beantragt das Zementwerk Alsen Breitenburg – heute Holcim AG - einen neuen Zement-Ofen, und zwar den Ofen 11, der den Ofen 10 ersetzte. Die BIAB läuft Sturm gegen die geplante Verbrennung von Altölen, Reifenschnitzeln und Papierschlämmen. Ein Bürger aus Lägerdorf erreicht mit seiner Klage gegen die erteilte Betriebsgenehmigung aufschiebende Wirkung, so dass die geplante Inbetriebnahme  im Dez. 1995 des 130 Millionen Mark teuren Dreh-Ofens vorerst gestoppt wurde.

1996 dann wieder ein großer Erfolg. Laut Gerichtsbeschluss vom Verwaltungsgericht in Schleswig wurden nun für die Firma Alsen Breitenburg – heute Holcim AG Lägerdorf - erstmalig
Emissionswerte festgeschrieben, die Emissionsfernüberwachung (EFÜ) eingeführt, die der Behörde übermittelt werden. Außerdem wurden die jährliche Dioxin + Furan Messung eingeführt. Die BIAB erreicht, dass der Schadstoffausstoß von Schwefel um 20 % gesenkt wird.

Durch die sachliche und hartnäckige Kritik fanden immer wieder u.a.  Gespräche mit der Holcim AG  statt. Die BIAB lässt nicht locker, engagiert sich kritisch bei  Versuchsverbrennung und setzt sich für die Absenkung der Grenzwerte ein, und dies mit Erfolg.

Die BIAB erhält im Juni 2012 vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Kiel die Anerkennung als Umweltverband. Dies ermöglicht der BIAB ein Klagerecht.

Die Erfolge der BIAB waren nur möglich durch die Unterstützung von unsere Rechtsanwälten
Herrn Matthias Uhing, unserem Fachbeistand von Ökopol, Herrn Dr. I. Drachenberg , Herrn Christian Tebert ,Herrn Dr. J. Lohse, unseren Mitgliedern , den Mitgliedsgemeinden, den Unterstützern, den  Spendern, die gute Zusammenarbeit mit dem BUND und die ehrenamtlichen Arbeit der Mitwirkenden im Vorstand. Dafür danken wir allen sehr herzlich. An dieser Stelle möchten sich der Vorstand besonders bei Frau Ingrid Kratzenberg ganz herzlich für ihre Arbeit und ihren Einsatz bedanken, denn sie trägt einen großen Anteil an den Erfolgen und daran, dass die BIAB ihr 25jähriges Jubiläum feiert.

Auch nach 25 Jahren ist die BIAB nicht müde, sondern voller Energie  sich für  den Schutz von Mensch und Natur einzusetzen. Denn die Firma Holcim  AG hat seit 1996 den Einsatz von Müll verdoppelt, angefangen mit 50 %, heute 100 %, die Feuerungswärmeleistung von 200 MW auf 240 MW und den Abgasvolumenstrom um 180.000 m³ pro  Stunde  -von 540.000 auf 720.000 m³ pro Stunde –  erhöht und kann heute 40 %  Sondermüll einsetzen.
Aber die niedrigeren Grenzwerte für Emissionen von Müllverbrennungsanlagen werden nicht eingehalten.

Aktuell kämpft die BIAB mit einer Klage beim Verwaltungsgericht in Schleswig u. a. dafür, dass die Grenzwerte der Emissionen – also die Schadstoffbelastung,
 z. b. beim Quecksilber – den strengeren Grenzwerten der Müllverbrennungsanlagen angepasst werden müssen und dass die beste verfügbare Filtertechnik hier in Lägerdorf eingesetzt wird.  Vertreten wird sie dabei von dem Rechtsanwalt
Herrn Dr. Mecklenburg aus Pinneberg.

Wenn die Firma  Holcim AG  damit argumentiert, dass Müll eingesetzt werde, um Ressourcen zu sparen, ist dies nur ein Teil der Wahrheit. Dies geschieht nach Auffassung der BIAB auch im Hinblick auf wirtschaftliche Vorteile. Während in unserer Gesellschaftsordnung Gewinnstreben als solches nicht zu verurteilen ist,

so meint die BIAB doch, dass der mit der Anlage insgesamt erzielte Gewinn ausreicht, um der Firma auch behördlicherseits einen besseren Umweltschutz aufzuerlegen und so jedenfalls teilweise zu kompensieren, dass außerordentlich große Mengen (Sonder)Müll verbrannt werden dürfen.

Der Vorstand der BIAB fuhr in diesem Jahr zum Umweltminister Herrn Habeck, wies auf die Problematik hin, besonders weil Holcim den Umweltpreis erhielt. Bei unserem guten Informationsaustausch hat Herr Habeck zugesagt, sich um die Angelegenheit der der BIAB zu kümmern und bis Ostern 2015 Rückmeldung zu geben. Leider haben wir noch keine erhalten.

Ohne die Bürgerinitiative zur Verhinderung gesundheitsgefährdender Abfallbeseitigung e. V. hätte  es in der Vergangenheit  keine Verbesserungen gegeben und Holcim wird ohne ständigen Druck der BIAB auch in Zukunft keine weiteren Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung hier und der Umwelt durchführen  .
Deshalb brauchen wir Sie.