Vereinsgeschichte

Am 21.05.1990 wurde die BIAB von umweltbewussten Bürgern gegründet mit dem Ziel „Verhinderung gesundheitsgefährdender Abfallbeseitigung“.

Die Bürger in der Region Rethwisch / Lägerdorf hatten Befürchtungen, dass der damals geplante Einsatz von PCB-haltigen Altölen bei der  Firma Alsen-Breitenburg (Zementwerk), heute Holcim, eine umweltbelastende Entsorgung sein könnte. Eine kritische Begleitung und Auseinandersetzung mit den ortsansässigen Industriebetrieben und den zuständigen Behörden wurden unsere Hauptaufgabe.

1996 überraschte Alsen-Breitenburg dann die Öffentlichkeit mit der Information, einen neuen, um 50 %  vergrößerten Zementofen, den Ofen 11, zu bauen und in großem Stil Abfälle einsetzen zu wollen und strebte an, die Genehmigung unter Nutzung einer aktuellen Gesetzesänderung (des sog. Beschleunigungsgesetzes zur Ankurbelung der Infrastruktur in den neuen Bundesländern) ohne Öffentlichkeitsbeteiligung zu erlangen. Aber der BIAB gelang es mit Hilfe fachlicher und rechtlicher Argumentationen, einen Beteiligungsstatus im Genehmigungsverfahren zu erlangen, der sich hinsichtlich der inhaltlichen Auseinandersetzungsmöglichkeiten von einem normalen Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung nicht wesentlich unterschied.

Schon im behördlichen Anhörtermin am Verwaltungsgericht Schleswig wurden große Erfolge erzielt:

  • die Festlegung von Eingangsgrenzwerten für Schadstoffe durch die Behörde

  • „freiwillig“ verzichtete die Firma Alsen-Breitenburg auf den problematischsten Einsatzstoff (Kíesabbrand):

  • die Genehmigungsbehörde legte auf unseren Druck hin Grenzwerte für Emissionen fest, die rechnerisch zwischen den strengen Standards der  17. BImSchV für Müllverbrennungsanlagen  und den damals 10-fach großzügigeren Grenzwerten für Zementwerke lagen;

  • eine große Errungenschaft war die behördliche Auflage eines bilanzierenden Messprogramms, an dessen Konzeption und Durchführung die BIAB über unseren Fachbeistand (Ökopol) beteiligt wurde und somit  viele offene Fragen über den Verbleib von Schadstoffen, die mit den Abfällen eingebracht werden, geklärt werden konnten.

  • Mit zunehmender Beherrschung verfahrenstechnischer Kinderkrankheiten  verbesserte sich das Emissionsniveau bezüglich der gefährlichen chlororganischen Schadstoffe, andererseits wurde der BIAB-Einwand, die Anlage könnte kein  Quecksilber zurückhalten und bräuchte deshalb strenge Grenzwerte in den Eingangsstoffströmen, eindrucksvoll bestätigt: 90 % des Quecksilbers wurden emittiert, wo man vorher behauptet hatte, es würden 90 % in den Zement eingebunden werden.

Einige Jahre später konnte in das Zementwerk Lägerdorf ein europaweit führender Standard in Bezug auf „beste verfügbare Technologien“  gelegt werden, der zur selben Zeit an nur ganz wenigen anderen Anlagen realisiert war und  von dem manche EU-Mitgliedsstaaten noch auf Jahre nur werden träumen können.

Diese Pionierleistung wäre ohne die Existenz und das Engagement der BIAB mit Sicherheit in dieser Form so nicht eingetreten.

Weiter wurde seitens der BIAB wahrgenommen, dass die Firma Alsen-Breitenburg einen 4. Elektrofilter am Ofen 11 einbaute.
Ein „gläserner Schornstein“ EFÜ – eine elektronische Fernüberwachung für die Grenzwerterfassung  von Stickoxiden, Kohlenstoff, Schwefeldioxid und Staub durch das Staatliche Umweltamt Itzehoe wurde errichtet.  
Seit 2006 erfolgt auch eine kontinuierliche Quecksilbermessung über EFÜ zum STUA.
Dioxinmessungen finden 1x jährlich statt.


Nachstehend geben wir einen weiteren Überblick über die BIAB-Arbeit:

1998  Verbrennung von dioxinbelasteten Citruspellets 50.000 t Citruspellets standen als Ersatzbrennstoff zur Verfügung, ca. 2. 000 t wurden im Ofen 11 verbrannt. Wo die restlichen 48. 000 t Citruspellets entsorgt wurden, ist ungeklärt geblieben.
Das Thema Citruspellets ist zuletzt am 03.05.2005 heiß diskutiert worden zwischen Fa. Holcim, dem STUA und der BIAB.
Bei zukünftigen Citruspelletsverbrennungen wird uns von Holcim der Herkunftsort und die Zusammensetzung der Pellets mitgeteilt, außerdem machte das STUA den Vorschlag, bei erneuter Anlieferung von Citruspellets eine Eingangsanalyse durchzuführen.

Im übrigen wurde zu diesem Thema folgendes festgehalten:
Insgesamt war die Analyse der Citruspellets zur Beurteilung des Schadstoffpotentials ausreichend, da sich die erstellten Analysen immer auf eine einzige Charge bezogen.
Der sachliche Zusammenhang der einzelnen Informationen, z. B. die Herkunft des Materials, war nicht ausreichend erläutert worden.
Der Nachweis der Schadlosigkeit der Verbrennung wurde bei der Emissionsmessung erbracht. Zu keinem Zeitpunkt wurde die genehmigte Einsatzmenge überschritten. Die Abfrage einzelner  Sachverhalte durch die BIAB und deren isolierte Beantwortung durch die Fa. Holcim bzw. das STUA hat in diesem Fall zu Fehl-Interpretationen und Missverständnissen aller Seiten geführt.
Künftig soll versucht  werden, dies von allen Beteiligten zu vermeiden. Nach längerer Diskussion wurde sich geeinigt, dass das Thema „Citruspellets“ hinreichend geklärt worden ist. Beide Seiten sehen dieses Thema als abgeschlossen an.

Unserem Widerspruch gegen die erteilte Genehmigung der Firma Alsen-Breitenburg Umwelttechnik (ABU), eine Bodenwaschanlage zur Aufbereitung kontaminierter (schadstoffbelasteter) Böden zu errichten, wurde stattgegeben, eine sofortige Vollziehung wurde beantragt, die Bodenwaschanlage wurde nicht im Betrieb genommen.

Nach Vereinbarung zwischen der BIAB, unserem Fachbeistand von Ökopol und der Firma ABU wurde der Widerspruch zurückgenommen, weil sich ABU verpflichtete:

  • bei Anlieferungen von Bodenchargen über 2.000 t pro Einzelprojekt im Vorwege eine Dioxinanalytik zu erstellen;

  • eine Annahme und Behandlung dieser Böden abzulehnen, wenn die Belastung im Mittel über 100 ng/kg TE Dioxin betragen würde.


Auch dieser Erfolg wäre ohne die Existenz der BIAB e.V. nicht möglich gewesen.


2000 Ein weiterer Erörterungstermin wurde von der BIAB wahrgenommen, da die Firma ABU eine Neugenehmigung einer Abfallbehandlungsanlage zur Aufbereitung und Konditionierung von verschiedenen Sekundärroh- und -brennstoffen  beantragte. Der Quecksilbereintrag wurde von 3 mg auf 1 mg reduziert und der Lärmgrenzwert wurde um 6 dB reduziert

Auch diesen Erfolg schreiben wir uns auf unsere Fahne!
 
2001 Einsatz von Renoxal aus der Aufbereitung von Fotoabfällen und Serox als Bauxitersatz.

2003 Tiermehl-/Tierfettversuchsverbrennung.

Forderung nach kontinuierlicher Quecksilbermessung, ein Durag-Gerät wird eingesetzt mit einer Ausnahmegenehmigung zur diskontinuierlichen Messung.

ABU geht in die Insolvenz; die BIAB ist mit dem LANU (Landesamt  für Natur und Umwelt) in Kontakt zwecks umweltrelevanter Mängelbeseitigung und eines neuen Betreibers, um in die dann zu erteilende Genehmigung eingebunden zu  werden.

Änderungsgenehmigung von bisher 50 %  auf 75 % Feuerungswärmeleistung durch Ersatzbrennstoffe im Ofen 11.

2004 Bezüglich des  Lärms bei Dammann KG wurde ein zusätzlicher Lärmmesspunkt im  Wohngebiet Rethwisch  (Spielplatz)  eingerichtet.

Dammann KG – es  werden durch unsere Forderungen  zwei Schalldämpfer in zwei Sichtern  eingebaut, die den Lärm  reduzieren  sollen. Die Kontrollmessung steht bis heute aus.

Änderungsgenehmigung einer Bypassfilteranlage am Ofen 11:
10 % Abgasentzug durch einen Bypass, um besonders Chloridbildungen zu vermeiden. Extramessungen von Furanen und Dioxinen im Bypassfilter wurden von der Fa. Holcim zugesagt.

2005 Dialogregeln werden über 9 Monate erstellt, die es der BIAB  ermöglichen sollten, pro Jahr mind. 3 Gesprächstermine mit Fa. Holcim zu haben. Diese Dialogregeln wurden bis heute nicht von der Fa. Holcim unterschrieben.

Versuchsverbrennungen von Klärschlamm, bis heute wurde keine Genehmigung beantragt.

2006 Ab 01.01.2006 Einsatz eines kontinuierlich messenden Quecksilbermessgerätes

Änderungsgenehmigung für Ofen  11:
Erhöhung der Feuerungswärmeleistung von 200 MW auf 220 MW
Einsatz von Fluff, Dachpappe und Trockenstabilat als Ersatzbrennstoffe
Erhöhung der Annahmegrenzwerte für Cadmium von 5 mg/kg auf 10 mg/kg


2006 fanden 2 Gesprächstermine, einer mit Besichtigung des Bypassfilters etc. bei der Fa. Holcim statt, zwecks Information zukünftiger geplanter Projekte und Abklärung verschiedener offener Fragen seitens der BIAB.

Die uns mittlerweile  zur Verfügung gestellten Umweltberichte werden grundsätzlich mit unserem Fachbeistand/Ökopol, der BIAB und der Fa. Holcim diskutiert.

2006 fanden 2 Gesprächstermine, einer mit Besichtigung des Bypassfilters etc. bei der Fa. Holcim statt zwecks Information zukünftiger geplanter Projekte und Abklärung verschiedener offener Fragen seitens der BIAB

Unsere gesamte Arbeit war nur möglich durch die Unterstützung von unserem Rechtsanwalt, unserem jetzigen Fachbeistand von Ökopol, Herrn Dr. I. Drachenberg, von 1990 – 2002 Herrn Dr. J. Lohse, unseren Mitgliedern und Mitgliedsgemeinden Brande-Hörnerkirchen und Osterhorn und Einzelspendern.

Wir sind sehr stolz darauf, dass wir das 15-jährige Bestehen der BIAB am 21. Mai 2005 feiern konnten, nach Jahren harter Arbeit, einer konsequenten Bearbeitung aller uns „gestellten“ Probleme (teilweise wurde dem Vorstand der BIAB sogar „gedroht“, man  unterstellte uns, Arbeitsplätze bei Alsen-Breitenburg/Holcim vernichten zu wollen, die Gemeindevertreter und auch die Nachbarn, die in der Firma beschäftigt waren, ignorierten den Vorstand).


Da stets andere Ersatzbrennstoffe  für den Ofen 11 beantragt werden, kann unsere wichtige Arbeit nicht beendet sein – Kontrolle muß sein -  wir werden auch nach 16 Jahren unsere Arbeit fortsetzen durch  kritische Diskussionen mit Fa. Holcim und dem Staatl. Umweltamt Itzehoe, zumal  die gewünschten Genehmigungen heute von den Behörden leichter zu bekommen sind, da sich  umweltpolitisch  der Wind gedreht hat.

Wir benötigen  auch weiterhin  unsere Mitglieder und deren Unterstützung. Aber wir brauchen auch jüngere Mitglieder, die unsere Arbeit in Zukunft fortsetzen.

Alsen ging – Holcim kam – BIAB bleibt!